Ich bin für alles verantwortlich

Ich bin für alles allein verantwortlich

Jedes Mal, wenn ich zu meiner Freundin sage: „Heute wird ein entspannter Tag, denn ich habe keine Termine“, passiert Folgendes. Das Fahrrad wird geklaut, eins der Kinder spuckt und muss von der Schule abgeholt werden, der Ehemann sitzt am Flughafen fest oder der Strom fällt aus.

Gerne auch alles auf einmal.

Ich liebe es, von diesen Tagen zu berichten… wenn sie vorbei sind. Wenn ich mittendrin stecke, ist es alles andere als lustig.

Dann geht mir durch den Kopf, dass ich schon wieder zurückstecken muss. Dass ich allein für das Lösen dieser Situation verantwortlich bin. Und das Allerschlimmste: Ich bin damit allein.

Ich stelle mir vor, wie die ganze Welt es besser hinkriegt, gelassener mit der Situation umgeht und es nicht so nah an sich heranlässt. Nur ich – ich krieg das nicht hin.

 

Warum fühle ich mich für alles allein verantwortlich?

Diese Frage hat mir so viel Angst eingejagt, dass ich dieses Thema lange vermieden habe. Ich wollte es nicht in einer Work anschauen und auch sonst mit niemandem besprechen. Es schien ein Fakt zu sein. Ich bin Mama, also gehört es dazu, sich um alles zu kümmern.

Die Strukturen und Rollenverteilung in meiner Ursprungsfamilie waren klassisch. Papa hat das Geld verdient und Mama machte den Rest – Haushalt, Kinder und Vollzeitjob. Ich habe als Teenager für ziemlich viel Wirbel und auch Stress mit meiner Ablehnung dieser Rollenverteilung gesorgt, und bin doch als Erwachsene selbst in dieses Rollenklischee reingerutscht.

Ich übernahm die Einstellung – Mama ist für den Rest verantwortlich. Das Wort „Rest“ ist so klein, trägt aber eine gewaltige Ladung an negativer Energie mit sich. Und sie bleibt negativ, bis wir mutig genug sind, genau das zu tun, was unser Verstand nicht will – hinschauen.

 

Wichtige Fragen, die du dir stellen kannst

  • Was genau sage ich zu mir in Situationen, in welchen die Welt scheinbar zusammenbricht?
  • Woher kenne ich diese Sätze und Einstellungen?
  • Wer hat mir das beigebracht?

 

Der nächste Schritt ist nicht, dich selbst dafür fertig zu machen, dass du das denkst. Das wäre nur die Verstärkung von dem, was du nicht haben willst.

Der nächste Schritt ist die Annahme und das Verstehen. „Jetzt verstehe ich, warum ich mich allein verantwortlich fühle. Jetzt sehe ich, woher diese Muster kommen. Ich sehe es, ich fühle es. Und entscheide mich jetzt aktiv, diese Muster so zu verändern, dass es sich wieder liebevoll anfühlt.“

 

Als ich den Mut hate, endlich hinzuschauen, war ich innerlich bereit, etwas zu verändern. Die ersten Versuche waren furchtbar. Ich bereitete mich lange vor, zögerte und ging meine Worte immer wieder durch. Das führte dazu, dass sich die Angst in mir ansammelte. Was ist, wenn ich weiterhin für alles allein verantwortlich bin? Was ist, wenn mir keiner hilft?

Diese Fragen hatten mich so sehr gestresst, dass ich entweder gar nicht für meine Bedürfnisse einstand oder sie mit so einer Wucht dem anderen an die Stirn knallte, dass mir tatsächlich keiner zuhören oder gar helfen wollte.

 

Fehler gehören dazu

Ich überrumpelte meine Liebsten mit Forderungen und Anklagen. Wenn ich richtig in Rage war, sagte ich Sachen wie: „Nie helft hier einer! Immer muss ich es alleine machen! Warum schon wieder ich?“

Muss ich dabei extra erwähnen, dass ich damit außer Krieg keine Veränderung auslöste?

Mein Ego war verletzt. Es wollte doch so gerne recht haben. Aber mit Rechthaben kam ich nicht weiter. Ich musste mir meine Gemeinheiten ehrlich und unaufgeregt vor Augen führen.

Dazu eignet sich die Frage Nr. 3 von The Work:

Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst:

„Ich bin für alles allein verantwortlich?“

Oje. Ich konnte sehen und fühlen, was dieser Gedanke mit mir und folglich meiner Familie machte. Mit diesem Gedanken fühlte ich mich berechtigt, anzugreifen und anzuklagen. Ich fühlte mich verletzt und verletzte meinerseits die anderen. Wie furchtbar. Ich musste bei dieser Work viel weinen.

The Work ist klar. Sie hält uns schonungslos den Spiegel vor. Darin sehen wir all unsere Hässlichkeit, Gemeinheit und Wut. Und alles darf da sein. Denn es ist nicht wahr. Es ist nur ein Gedanke. Nur eine Illusion von Hässlichkeit. In unserem Inneren sind wir alle Liebe.

 

Wer bist du ohne den Gedanken?

Als ich diese Frage in mich absinken ließ, fühlte ich erst die Erschöpfung. Endlich durfte sie sich zeigen. Ich durfte sehen wie viel ich mir selbst mit diesem Gedanken aufgebürdet habe. Ich habe selbst immer mehr drauf gepackt. Und weil ich blind war, habe ich die anderen beschuldigt. Sie hätten mir dieses Gewicht auferlegt. Dabei war ich es selbst. Es waren meine Muster, meine Glaubenssätze und mein Ego, die das gemacht haben.

 

Ich habe also gesehen, dass ich ohne den Gedanken „Ich bin für alles allein verantwortlich“ viel gelassener und entspannter bin. So weit, so gut.

Und es klappte dennoch nicht, meine Bedürfnisse so zu äußern, dass sie gehört wurden und es mir dabei gut ging.

Ich machte den Mund auf und es brach der Krieg aus. Ich war immer noch in etwas gefangen, das ich mit Worten nicht benennen konnte.

Etwas war da, das mich nach dem Gespräch wütend, hilflos und v.a. schuldig zurücklies.

 

Und da tauchte die Antwort auf

Einfach so. Aus dem nichts stand plötzlich die Unterfrage der Work vor mir: „In wessen Angelegenheit bist du, wenn du glaubst, du bist für alles allein verantwortlich?“

Ach du meine Güte! Nicht in meiner. Wenn ich mich beschwerte, meine Familie, meine Kinder, meinen Mann anklagte, dann war ich nicht in meiner Angelegenheit. Mehr noch: Ich projizierte Schuld auf sie. Denn insgeheim dachte ich: „Wenn hier jede/r mehr mithelfen würde, dann wäre es für mich nicht so schwer.“

Marianne Williamson schreibt dazu in ihrem Buch „Rückkehr zur Liebe“:

„Entscheide ich mich dazu, eine andere Person zu segnen, werde ich mich schließlich immer mehr gesegnet fühlen. Projiziere ich Schuld auf eine andere Person, werde ich mich schließlich nur umso schuldiger fühlen.“

 

Erste zarte Versuche, mich nicht für alles allein verantwortlich zu fühlen

Als ich das schmerzlich erkannte, dass ich nicht in meiner Angelegenheit war, und unbewusst die Schuld auf andere projizierte, war ich fest entschlossen, es anders zu probieren.

Eines Abends ging es mal wieder um die Aufgaben im Haushalt und moralische Unterstützung, die ich mir so sehr wünschte. Das Gespräch mit meinem Mann drohte zu kippen, bis ich innehielt.

Ich dachte, das hier läuft jetzt wie immer. Und wie immer will ich nicht.

Drei tiefe Atemzüge später sagte ich zu meinem Mann, dass ich ihm erzählen will, wie genau ich mich fühle und was ich mir wünsche.

Wahrscheinlich klang ich sehr komisch, denn ich redete langsam. Ich achtete ganz genau darauf, bei mir zu bleiben. Nur bei dem, was sich für mich gut anfühlte. Ohne Schuld und Anklage.

Und plötzlich war es mir nicht mehr wichtig, ob er mitgehen konnte oder nicht. Ob er einverstanden war, oder es sich ganz anders vorstellte. Es war nicht mehr wichtig.

Meine Kraft, mein Frieden waren in mir. Niemand konnte sie mir schenken. Die Erfahrung machte mich euphorisch. So fühlt es sich also an, für meine Bedürfnisse einzustehen, ohne den anderen anzugreifen? So leicht? Das war alles, was ich zu lernen hatte? Bei mir zu bleiben?

 

Nicht jede/r wird begeistert sein

Ab da probierte ich diese Strategie bei jedem Menschen aus, der dieses Muster in mir triggerte: Ich bin für alles allein verantwortlich. Ich stelle Fragen, äußerte meine Bedenken und Wünsche. Und manchmal sagte ich einfach: „Danke und nein.“

Was soll ich sagen, nicht alle waren/sind davon begeistert. Manche Beziehungen hielten dem nicht stand. Bei mir hat sich etwas verändert. Ich wollte und konnte mich nicht mehr für alles verantwortlich fühlen. Und die Menschen, die sich an meinen Glaubenssatz gewöhnt hatten, und plötzlich merkten, dass sie ihren Teil der Verantwortung selbst tragen mussten, waren verärgert, wütend oder reagierten mit Wut.

Es ist ok. Nicht jede/r muss davon begeistert sein.

Schaue, dass es dir gut geht, meine liebe Leserin.

Keine/r wird kommen und sagen:
„Schätzchen, ich glaube, dein Leben könnte bunter und liebevoller sein. Soll ich dir etwas abnehmen?“

Genau so wenig werden uns Menschen zuhören wollen, wenn sie sich angegriffen fühlen.

Und doch ist es unsere direkte Aufgabe – Liebe in diese Welt zu tragen. Am besten, wir fangen bei uns selbst an.

Willst Du etwas verändern und weiß nicht, wo Du anfangen sollst?

Ich unterstütz Dich gern. Buche Dein kostenloses Gespräch bei mir.

Einfach hier lang.

Sei großartig.

Sei du selbst.

Sei Profigirl.

Alles Liebe

Tanja Erdmann

 

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Ich bin Tanja

Coach für The Work, ausgebildete Sport- und Gymnastiklehrerin und Sporttherapeutin.

Ich arbeite als Mentorin, Coach und Therapeutin.

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